Über die Schreibfreude … und den Schreck der Kirchenaustritte …

Gott sei Dank bin ich so intensiv am Korrigieren meiner Doktorarbeit, dass ich dann allerdings leider keine Beiträge für den Predigtblog fertigbekomme. Das wir aber nicht so bleiben … die Tage geht bestimmt noch was 🙂

Über die Jahresstatistik zu den Kirchenaustritten in Hamburg habe ich mich aber doch sehr erschreckt. So intensiv war ich nicht versunken. Es war zu befürchten. Ich wüßte nicht, dass wir schon einmal schlimmere Werte hatten, müsste dass aber weiter recherchieren (die bis 1967 habe ich hier gerade in der Doktorarbeit vor mir …). Wegen des hohen Rückgangs der Katholiken in Hamburg um fast 6 Prozent waren es real über ein Drittel mehr Kirchenaustritte relativ zur Katholikenzahl als im Vorjahr! Gleichzeitig lag die Quote der Austritte von 2,3 je Hundert Katholiken etwa 2,5 Mal so hoch wie der deutsche Durchschnitt und um ein etwa ein Viertel höher als der Durchschnitt im Erzbistum Hamburg. Häufiger war der Kirchenaustritt nirgends in Deutschland.

In Bremen lag die Häufigkeit der Austritte um mehr als ein Drittel niedriger.

Es ist jetzt die Zeit, uns zu versammeln und unsere Identität als katholische Christen neu zu entdecken. Lassen wir uns und unsere Gemeinden hier im Norden durch das der Kirche anvertraute Evanglium neu ausrichten auf das sakramentale Leben der Gnade, das nie mehr endet! „Herr, erneuere Deine Kirche – und fange bei mir an.“ (Das Gebet unseres Erzbischofs Dr. Stefan Heße zum Erneuerungsprozess)

(c) Oliver Meik – Der Weg ist noch weit … ist das Ziel klar? – Südfrankreich nahe Le Barroux bei Avignon 2017

Der Hintergrund: In der Freien und Hansestadt Hamburg sind 2,3 Prozent oder 4.108 der 182.450 Katholiken in 2018 aus ihrer Kirche öffentlich ausgetreten. Das waren 35,3 Prozent mehr als 2017, wenn die um 11.504 Katholiken deutlich gesunkene Anzahl der Katholiken berücksichtigt wird. In 2017 traten 1,7 Prozent oder 3.201 der dann noch 193.954 Katholiken aus. Der Unterschied zwischen den absoluten Zahlen betrug also nur 28,3 Prozent, erst die Berücksichtigung der Tatsache, dass es tatsächlich so viel weniger Katholiken in Hamburg gab, zeigt das ganze Ausmass der Austritte.

In ganz Deutschland zusammengenommen traten 0,9 Prozent oder 215.982 der 23.002.128 Katholiken aus.

Im Erzbistum Hamburg traten 1,8 Prozent oder 7.017 der 398.425 Katholiken aus ihrer Kirche aus.

In dem anderen nördlichen Stadtstatt, der Freien Hansestadt Bremen, traten 1,5 Prozent der 1.044 der 68.881 Katholiken aus. Fast genauso verhielt es sich in der nahen Hansestadt Lübeck (PaR und Pfarrei Zu den Lübecker Märtyrern), wo ebenfalls 1,5 Prozent oder eben 345 der 23.363 Katholiken austraten. Verhältnismäßig viele Austritte gab es in Kiel (PaR und Pfarrei Franz von Assisi): 1,8 Prozent oder 407 der 22.292 Katholiken. Noch mehr waren es in Nordfriesland: 2 Prozent oder 201 der 10.093 Katholiken. – Genug der schlechten Nachrichten

Quellen:

Kirchliche Statistik der Bistümer in Deutschland Jahreserhebung 2017. Ländertabelle.

Kirchliche Statistik der Bistümer in Deutschland Jahreserhebung 2018. Ländertabelle.

Erzbistum Hamburg. Kirchliche Statistik 2018.

2 Responses to Über die Schreibfreude … und den Schreck der Kirchenaustritte …

  1. fenno77 sagt:

    Gibt es irgendetwas Qualitatives dazu? Also z.B. die Gründe, die Austritte trotz Kirchenbesuch, Austritt als Protest oder als „Verdunstung“ des Bezuges? Am besten sogar in der Entwicklung.
    Wie wäre es, Besuchsdienste einzurichten und dabei für ein Hören der innere Entwicklung und deren Gründe offen zu sein.
    Ich würde gern etwas tun.

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  2. pfarrermeik sagt:

    Ich meine, dass es wichtig ist, sich jetzt ganz schlicht mit anderen Menschen zusammen zu finden, die Lust darauf haben, voll und ganz katholisch zu sein. Das ergibt kleine Gemeinschaften mit einer klaren katholische Identität in ganz verschiedenen Ausprägungen, die eine mehr betend die andere mehr caritativ oder sich ausbildend oder … So etwas ist interessant und kommuniziert die Botschaft des Evangeliums, auch nach außen, auch zu dem Glauben Fernstehenden. Aus diesen Zellen werden sich unsere Gemeinden neu errichten.
    Was bei Ihnen vor Ort mit wem möglich ist, dass kann ich von hier kaum sagen. Wie wir uns besser stadtweit und erzbistumsweit vernetzen können, ist eine Frage, für die ich sehr offen bin. Lasst uns nicht mehr abwarten! –
    Der Kirchenaustritt markiert in der Regel einen Punkt, an dem es schon zu spät ist.

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