Was ist denn das: ein Ablass heute?

28. März 2020

Mich erreichen verschiedene Anfragen. Ich mache dazu eine kleine Serie.

1. Ein Ablass (indulgentia = ‚Straferlass‘) vergibt keine Sünden. Hat er noch nie. Man kann ihn nicht kaufen – konnte man noch nie (ja, es gab Missbrauch). Der Ablass ist eine Hilfe, eine geistliche Zuwendung der Kirche, eine wirksame Solidarität. Er dient zur gemeinsamen Bewältigung der Auswirkungen persönlicher Schuld, sozusagen des angerichteten ‚Schadens‘. Jesus, die Heiligen und die ganze Kirche beten für Dich, damit die Folgen Deiner Sünden geheilt werden, die sogenannten ‚Südenstrafen‘. Sie tun das immer; aber im Ablass wird es Dir besonders, persönlich und konkret zugesagt. Das geschieht durch den Heiligen Vater, den jeweilige Papst der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, als Stellvertreter Christi. Er ist der Nachfolger des heiligen Petrus, dem Jesus die Vollmacht gab ‚zu binden und zu lösen, im Himmel wie auf Erden‘ (vgl. das Evangelium nach Matthäus 16, 18). Der Papst möchte Dir helfen, Dich auf Gottes gnadenreiches Wirken einzulassen und Dich durch konkrete Gebete und Liebeswerke mit Jesus und der Kirche vollkommen zu verbinden.

Aus eigener Kraft ist es unmöglich, alles wieder in Ordnung zu bringen. Was bedeuteten unsere Bußen gegen das, was wir mit unseren Sünden angerichtet haben? Habe keine Angst! Jesus, die Heiligen, die ganze Kirche betet für Dich — durch ihr und unser gemeinsames Gebet und alle Verdienste der Kirche darf ein bußfertiger Beter erfahren, dass die Folgen der Sünde bei ihm bewältigt sind, dass ihm alle ‚Strafen‘ erlassen sind. Das ist der Ablass. Man kann ohne ihn zum Himmel kommen. Niemand muss ihn erwerben. Aber er ist ein starkes Hilfsmittel, um frei zu werden von den Auswirkungen des Bösen in meinem Leben. Die hl. Taufe (= Befreiung aus der Abhängigkeit von der Ursünde zur Kindschaft Gottes), die hl. Kommunion (= die volle Gemeinschaft mit Gott und der Kirche) und darauf hin geordnet die hl. Beichte (= das Bekenntnis und die Vergebung der Sünden) sind viel wichtiger, häufig sogar heilsentscheidend. Sie sind die Grundvoraussetzungen für den Ablass. Wenn es anders nicht möglich ist, kann für einen Ablass der Wunsch genügen, Beichte und Kommunion so bald als möglich nachzuholen. Bei einem Sterbenden kann schon die Sehnsucht nach den Sakramenten genügen. Die Priester sind verpflichtet den Sterbenden den Apostolischen Segen zu spenden. Der ist – wie sonst beim feierlichen Papstsegen – immer mit einem vollkommenen Ablass verbunden, sofern die Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Die Voraussetzungen für einen Ablass sind 1. eine heilige Beichte zur Vergebung der Sünden und 2. der Empfang der heiligen Kommunion im zeitlichen Zusammenhang vor oder nach dem Ablass. Dazu kommt, 3. in der Meinung des Heiligen Vaters zu beten. Das kann beispielsweise ein Credo, ein Vater unser und ein Gegrüßet seist Du Maria sein, dass ich Gott in den Anliegen anvertraue, die dem Papst wichtig sein mögen. (Und die ich nicht unbedingt kennen muss, um dafür zu beten – ich kann mir einfach für die konkreten Gebete allgemein vornehmen, damit vor Gott zu unterstützen, wofür auch der Papst betet).

Ein Ablass wird vollkommen erworben, wenn der Betende von jeder Anhänglichkeit an die Sünde frei ist: also im Augenblick keinen Wunsch und keine Neigung hat, konkrete Sünden wiederum zu begehen. Ansonsten ist er ein Teilablass: Das heißt er wirkt unterstützend, aber etwas fehlt an ihm noch, wenn an meiner Reue auch etwas fehlt.

Allein die Reue bewirkt die Vergebung der Sünden bei Jesus, nicht der Papst oder der Priester. Diese sind bei der Absolution (Lossprechung von den Sünden) in der Beichte nur das Hilfsmittel, dessen Jesus sich bedient um sein Werk an dem zu tun, der aufrichtig umkehrt und alle seine Sünden bekennt. Je vollkommener ich mich dabei von meinen Sünden distanziere, umso wirksamer kann Gott auf das Gebet der Kirche hin die Folgen meiner Sünden tilgen.

Der Papst eröffnet durch die Apostolische Pönitentiarie verschiedene Möglichkeiten zum vollkommenen Ablass. So hat er es auch für die von den Auswirkungen der Epidemie Covid-19 besonders betroffenen Christen getan:

„Ein vollständiger Ablass wird den von Coronavirus betroffenen Gläubigen gewährt, die auf Anordnung der Gesundheitsbehörde in Krankenhäusern oder in ihren eigenen vier Wänden unter Quarantäne gestellt werden, wenn sie sich – die Seele von jeder Sünde losgelöst – unter Zuhilfenahme der Medien der Feier der Heiligen Messe oder [es genügt eins der aufgezählten Gebete!] der Göttlichen Liturgie geistlich verbinden, den Heiligen Rosenkranz oder den Hymnus Akàthistos an die Mutter Gottes beten, oder die fromme Übung des Kreuzwegs [Via Crucis] oder das Ufficium Paràklisis an die Mutter Gottes oder andere Gebete der jeweiligen östlichen Traditionen, auch andere Formen der betenden Verehrung oder wenn sie zumindest das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und eine fromme Anrufung der heiligen Jungfrau Maria rezitieren, mit der Absicht, es aufzuopfern im Geiste des Glaubens an Gott und der Nächstenliebe gegenüber den Brüdern und Schwestern und mit dem Willen zur Erfüllung der üblichen Bedingungen (sakramentale Beichte, Eucharistische Kommunion und Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters), sobald es ihnen möglich ist.

Die Angehörigen des Gesundheitsdienstes [Pfleger, Ärzte usw.], Familienmitglieder und alle anderen, die nach dem Vorbild des Barmherzigen Samariters handeln, sind dem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt. Sie helfen den durch den Coronavirus Erkrankten nach den Worten des göttlichen Erlösers: «Niemand hat eine größere Liebe als der, der das eigene Leben gibt für seine Freunde» (Joh 15,13). Sie erwirken sich durch ihren Dienst unter denselben Bedingungen ebenfalls die Zuwendung eines vollkommenen Ablasses.

Darüber hinaus gewährt diese Apostolische Pönitentiarie anlässlich der gegenwärtigen weltweiten Epidemie bereitwillig einen vollkommenen Ablass unter denselben Bedingungen, selbst jenen Gläubigen, die das Allerheiligste Sakrament oder [es genügt eins der aufgezählten Gebete!] eine eucharistischen Anbetung besuchen oder wenigstens eine halbe Stunde lang in der Heiligen Schrift lesen, den heiligen Rosenkranz oder den Hymnus Akàthistos an die Mutter Gottes oder die fromme Übung des Kreuzwegs [Via Crucis] oder den Gebetskranz der göttlichen Barmherzigkeit oder das Ufficium Paràklisis an die Mutter Gottes oder in anderen geeigneten Formen die jeweiligen östlichen Traditionen beten, um vom allmächtigen Gott das Ende der Epidemie, Tröstung und Erleichterung für diejenigen, die davon betroffen sind, und die ewige Errettung derer, die der Herr zu sich gerufen hat, zu erbitten.

Die Kirche betet für diejenigen, denen es unmöglich ist, das Sakrament der Krankensalbung und die Wegzehrung [Viaticum / Kommunion in Todesgefahr] zu empfangen, indem sie jeden Einzelnen aufgrund der Gemeinschaft der Heiligen der göttlichen Barmherzigkeit anvertraut und dem Getreuen einen vollkommenen Ablass im Augenblick des Todes gewährt, wenn er recht bereitet ist und während seines Lebens gewohnheitsmäßig einige Gebete sprach (in diesem Fall gleicht die Kirche die drei üblichen Bedingungen aus). Um diesen vollkommenen Ablass zu erreichen, wird als Mittel die Verwendung eines Kruzifixes oder eines Kreuzes empfohlen (vgl. Enchiridion admentiarum, Nr. 12).“

Meine provisorische Übersetzung von: Decreto della Penitenzieria Apostolica circa la concessione di speciali Indulgenze ai fedeli nell’attuale situazione di pandemia, 19.03.2020
Sie ist lichtreich, prachtvoll, bunt, hoch und möglicherweise Geschmacksache: aber in der Mitte von all dem ragt das Kruzifix auf, das Antlitz des gekreuzigten Jesus. Die Asamkirche St. Johann Nepomuk in München Februar AD 2020. (c) Oliver Meik

6. Sonntag im Jahreskreis – 16/02/2020

22. Februar 2020

Lesejahr A. Mitschnitt aus dem Hochamt mit den Erstkommunionkinder in meiner Heimatgemeinde Heilig Geist zu Hamburg-Farmsen:

Nordfriesland kam mir manchmal wie der Amazonas vor. Es ist schön und eine große Missionsaufgabe. Ich war dort sehr gerne. 🙂 … Und wo man auch anlegt, überall gibt es katholische Christen, die nach dem Evangelium leben und die Sakramente feiern wollen. Dank sei Gott!

Wo Christen Priester erbitten, sendet Gott sie aus. – Herr, sende Arbeiter in Deine Ernte! – Und sammle Du Deine Gemeinde zu Gebet und Gottesdienst!

Tabernakel. Dornbusch. Altar. Berufungsort. – {c) Oliver Meik

Taufe des Herrn – 12/01/2020

12. Januar 2020

Was verbindet 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges, 30 Jahre Deutsche Einheit und 25 Jahre Erzbistum Hamburg? Die gegenüber der Predigt korrigierten Zahlen zu den Katholiken in Mecklenburg: Es waren 1945 etwa 210.00, 1961 etwa 120.000, 1990 etwa 60.000 und 2018 etwa 37.000. – Lesejahr A. Mitschnitt aus der Heiligen Messe in der Propstei St. Anna zu Schwerin:

(c) Oliver Meik – St. Anna am Fest der taufe des Herrn AD 2020.

Zweiter Sonntag nach Weihnachten – 05/01/2020

8. Januar 2020

Mein liebes Erzbistum Hamburg, wir kennen einander seit Deiner Gründung vor jetzt 25 Jahren. Von Herzen wünsche ich Dir Segen, Kraft und Mut anlässlich Deines Jubiläums am 7. dieses Monats.

Mit der Kirche, dem Papst, dem Erzbischof und so vielen Gläubigen und Priestern und gutwilligen Menschen in unseren Gemeinden und Regionen stehe ich zu Dir! Ad multos annos! Und frohe Bekehrungen.

Ich danke Dir, mein Jesus. – Hl. Ansgar, Sel. Niels Stensen, Ihr Sell. Lübecker Märtyrer, bittet für uns!


Und jetzt der Mitschnitt aus der Heiligen Messe vom Zweiten Sonntag nach Weihnachten in St. Franz-Joseph zu Harburg:

(c) Oliver Meik – Die innere Krippe in St. Franz-Joseph.

Die Treue der Beter – die Orden und die Reformation in Mecklenburg

16. November 2019

Reformatorische Lehren tauchten in Mecklenburg schon vor 1520 auf, zuerst in den Seestädten. Am längsten widersetzten sich die Dominikaner der Reformation, in Rostock bis 1571, in Wismar bis 1554. Bei der großen Kirchenvisitation 1541/42 waren von 204 Dorfpfarren noch 63 katholisch, besonders solche in der Nachbarschaft von Domstiften oder Klöstern. Ab 152 wurden die Mönchs-Feldklöster aufgehoben. Das älteste und ehrwürdigste Kloster, die Zisterzienserabtei Doberan war schon längst im Verfall. Die noch in Blüte stehende Kartause Marienehe bei Rostock mußte mit Waffengewalt genommen werden. […] Am hartnäckigsten und widerspenstigsten waren die Nonnen, besonders in Dobbertin. Sie erklärten, sie wollten lieber „vor einem Schwert sitzen gehen“ als evangelisch werden. Sie warfen sich vor einem Marienbild nieder und verlangten ein Wunder. Es trat jedoch nicht ein. Dennoch ließen sich die Nonnen nicht einmal vom Herzog persönlich bekehren. Nach 1557 waren sogar noch sechs neue Schwestern eingetreten. Als sie mit Gewalt aus Dobbertin ausgewiesen wurden, wehrten sie sich mit Stöcken und Steinen. ‚Wenn ich euch alle dem Teufel in den Rachen werfen könnte, wollt ich’s nicht lassen!‘ rief die Nonne Ingeborg Hagenow.“

Chronik des Bischöflichen Kommissariats Schwerin. 1946 bis 1973. Hg. vom Heinrich-Theissing-Institut. Schwerin 2003.

Wer betet, der bleibt. Gebetszentren stärken die Gläubigen. Hab keine Angst vor Deiner ohnmächtigen Schwäche. Heute arbeiten die Konfessionen am gemeinsamen christlichen Zeugnis. Die Frage der Beter aber bleibt: Laien, Priester, Ordensleute: Wo und wie wollt Ihr Euch heute sammeln und Eure katholische Identität im Gebet stärken?

Einen ganz herzlichen Dank allen Dominikanern, Kartäusern, Stiften, Nonnen und Pfarrern für ihr Zeugnis. Wir brauchen Euch. Und mehr von Euch. Sende, Herr, Beter in Deinen Weinstock, Menschen der Lebens- und Liebeshingabe. Amen.

(c) Oliver Meik – Die Kartause von Capri. Capri Charterhouse. September 2019.


Repost: Jungfrau, Mutter Gottes mein – meiner +Großmutter seligen Angedenkens

13. November 2019

Gestern beging meine +Großmutter ihren 90. Geburtstag. Aber schon seit einigen Jahren lebt sie im Jenseits, in jener Welt, die wir Himmel nennen und die auf die Anschauung Gottes ausgerichtet ist. Ein Gebet, dass sie von ihrer Großmutter und ihrer Mutter empfangen und innig geliebt hat, möchte ich im persönlichen Gedenken hier wiedergeben. So hat sie gelebt: in ihrer Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt (HH-Rahlstedt); so ist sie gestorben: an Mariä Himmelfahrt (15.08.). Ins Paradies mögen die Engel Dich geleiten. Requiescat In Pacem.

Jungfrau, Mutter Gottes mein, lass mich ganz Dein eigen sein; Dein im Leben, Dein im Tod, Dein in Unglück, Angst und Not, Dein in Kreuz und bittrem Leid, Dein für Zeit und Ewigkeit! Jungfrau, Mutter Gottes mein, lass mich ganz Dein eigen sein! Mutter, auf Dich hoff’ und baue ich. Mutter, zu Dir ruf‘ und seufze ich. Mutter, Du gütigste, steh mir bei! Mutter, Du mächtigste, Schutz mir leih! O Mutter, so komm, hilf beten mir! O Mutter, so komm, hilf streiten mir! O Mutter, so komm, hilf leiden mir! O Mutter, so komm und bleib bei mir! Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste! Du willst mir ja helfen, o Gütigste! Du mußt mir nun helfen, o Treueste! Du wirst mir auch helfen, Barmherzigste! O Mutter der Gnade, der Christen Hort, Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port*; Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier; Du Trost der Betrübten, ihr Schutzpanier! Wer hat je umsonst Deine Hilf ‚angefleht? Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet? Drum ruf ich beharrlich, in Kreuz und in Leid: Maria hilft immer, sie hilft jederzeit! Ich ruf voll Vertrauen im Leiden und Tod: Maria hilft immer, in jeglicher Not! So glaub‘ ich und lebe und sterbe darauf; Maria hilft mir in den Himmel hinauf. Amen.

* Hafen

Wir sehen uns bei Gott in dem himmlischen Vaterhaus mit den vielen Wohnungen, liebe Oma, an der Hand der Gottesmutter! Bitt’ Gott für mich und meinen Dienst, zu dem ich ganz und gar unwürdig bin. Verzeihe und bitte bei Gott um Verzeihung für meine Sünden: das Böse, welches ich tat, und das Gute, was ich nicht getan habe. Bitte für die, die Dein Tod endlich versammelt hat: dass sie Dein geistiges Erbe nicht verlieren und der Sehnsucht und dem Beispiel Deiner gütigen Liebe folgen. Amen. Heiliger Ludwig-Maria Grignion de Montfort, meine Oma hat Dich verehrt und Dein ‚Goldenes Buch‘ (Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria) geliebt: Bitte für sie!

(C) Regina delle Sure di Bambin’ Gesu.

27. Sonntag im Jahreskreis – 06/10/2019

12. Oktober 2019

Lesejahr C. Aus der hl. Messe in St. Mariä Himmelfahrt zu Güstrow:

(c) Oliver Meik – St. Mariä Himmelfahrt Güstrow im Licht des Mittags.

(c) Oliver Meik – St. Mariä Himmelfahrt Güstrow im Licht des Mittags.

(c) Oliver Meik – Und vom ‚Arbeitsplatz‘ aus.