Ostern –12/03/2020

Lesejahr A. Für die österliche Nachtwache oder Tagesmeditation eine lange, improvisierte Studioaufnahme aus Wittenburg in Mecklenburg mit ‚vielen Worten’ oder doch eher einem ‚Seufzen’ über die Leere und das Gebet:

III. Was ist denn das: Kann ich am Telefon beichten?

Nein. Das geht nicht, meine ich.

Jesus vergibt die Sünden. Nach den Evangelien begegneten ihm Menschen, denen er die Vergebung zusprach (bspw. ein Gelähmter, eine Ehebrecherin, der ‚gute‘ Dieb am Kreuz, vgl. den Sinn des Gleichnisses vom verlorenen Sohn und dem barmherzigen Vater). Eine körperliche Berührung war für die Vergebung der Sünden offensichtlich nicht notwenig. Doch es waren stets beide anwesend: Jesus und der bußfertige Sünder.

Zur Form der Sakramente gehören persönliche Begegnungen.* Zur Begegnung von zwei Personen gehört deren Präsenz an demselben Ort. Das Zweite Vatikanische Konzil hat betont, dass die gemeinschaftliche und liturgische Feier der Sakramente vorzuziehen ist.

Die neue Ordnung für das Sakrament der Versöhnung betont sowohl bei der Einzelbeichte als auch bei der gemeinschaftlichen Feier mit Einzelbekenntnissen und Einzellossprechungen die liturgische Form. Genauso ist es auch bei der Feier der Kranken- oder Sterbesakramente vorgesehen. Wenn es nicht anders möglich ist, kann im äußersten Notall (unmittelbare Todesgefahr) die Form der Beichte auf die Absolution, die Zusage der Vergebung gekürzt werden. Es bleibt aber der Charakter einer persönlichen Begegnung notwendig erhalten: Der Beichtvater spricht über einem bei ihm zugegenen reumütigen Gläubigen die Worte der Vergebung – selbst dann, wenn der Beichtende nicht mehr die Möglichkeit hat, sein Bekenntnis und seine Reue in Worte zu fassen.

„Gott gewährt dem Sünder, der durch das sakramentale Sündenbekenntnis vor dem Diener der Kirche seine Bekehrung zum Ausdruck bringt, Verzeihung durch das Zeichen der Lossprechung. So wird das Bußsakrament vollendet. Denn nach der göttlichen Ordnung des Heils, in der die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschienen ist (Tit 3, 4f.), will uns Gott durch sichtbare Zeichen das Heil mitteilen und seinen Bund mit uns erneuern.“ (Die Feier der Buße, Nr. 6. d))

Sakramente sind gegenwärtige Zeichen des persönlichen Heils. Sie sind nicht identisch mit den Rechtsakten oder Funktionshandlungen, die aus ihnen hervorgehen oder mit ihnen verbunden sind. Dass ein Priester im äußersten Notfall (unmittelbare Todesgefahr) versuchen mag, auch noch unter der Zuhilfenahme eines Telefons bedingungsweise eine sakramentale Vergebung zu ermöglichen, zeichnet ihn und seinen Glauben aus. Gottes Barmherzigkeit verpflichtet uns alle, für die Rettung eines Sünders bis an die äußersten Grenzen des uns Möglichen zu gehen. Der Priester entscheidet im Einzelfall, was „unter Wahrung der kanonischen Billigkeit und das Heil der Seelen vor Augen, das in der Kirche immer das oberste Gesetz sein muß“ (CIC 1983 Can. 1752), angemessen ist. Und er verantwortet es am Ende allein vor Gott, mittelbar aber auch gegenüber den kirchlichen Oberen und den weltlichen Autoritäten.

Wie das Rituale sieht auch das Kirchenrecht EINEN Ort für die hl. Beichte vor. (CIC 1983 Can. 964) Es ist der Beichtstuhl in der Kirche, außerhalb dessen „Beichten nur aus gerechtem Grund entgegen genommen werden.“ (Ebd. § 3) Der CIC sieht nicht zwei Orte vor, einen für den Beichtiger und einen für den Pönitenten (Beichtenden), sondern nur EINEN gemeinsamen Ort für beide.

Die Apostolische Pönitenziarie hielt 2002 fest: „Der Gebrauch technischer Mittel (Fax, Internet, e-mail usw.) …“ ist bei der Spendung des Bußsakramentes nicht zuzulassen. Es könnte sonst dazu kommen, dass „die konstitutiven oder wesentlichen Elemente des Bußsakramentes (Sakramentalität, physische Unmittelbarkeit der Subjekte [immediatezza fisica dei soggetti], Dialog, auch psychologische Folgewirkung)“ verletzt werden.

Die physische Unmittelbarkeit ist als ein Wesenselement des Bußsakramentes bezeichnet. Sie ist bei einem Telefonat, selbst per Skype usw., offensichtlich nicht gegeben. Niemand wird normalerweise sagen wollen, dass beide Enden des Telefonats an demselben Ort sind. Das Telefon verbindet in der Regel Menschen an verschieden Orten. Das macht Skype usw. für uns so nützlich, wenn wir zu Hause bleiben sollen. Wenn nicht eine „physische Unmittelbarkeit“ auf andere Weise entsteht, kann nur durch eine Stimmen- oder Bildübermittlung offensichtlich keine sakramentale Sündenvergebung erreicht werden. Ein Priester wäre gut beraten, es auch nicht zu versprechen.

Braucht es einen Priester zur Vergebung der Sünden im extremen Notfall?

Nein. Das braucht es nicht. Denn die Sünden vergibt Gott um der Reue willen. Die braucht es immer. Sakramente enthalten keine ‚Magie‘. Sie sind ein Gottesdienst, eine gebetete Heilszusage Gottes. Wer kann, soll beichten. Wer wegen erheblicher Hindernisse nicht zu einem Priester kommen kann, darf es sich vornehmen erst dann, falls es ihm wieder möglich sein sollte, alles zu beichten. Wenn er die Sehnsucht nach dem Sakrament hat, wird ihm sicher auch dann vergeben, falls er vor seinem Tode keinen Priester mehr erreichen kann. Ein Priester per Telefon oder ein umstehender Freund oder Verwandter könnten dabei helfen, die Sünden möglichst vollkommen zu bereuen. Auch wegen der Abhörgefahr soll aber ein Sündenbekenntnis am Telefon nicht erfolgen oder kann sogar weitgehend untersagt sein (Schutz des Beichtgeheimnisses).

Unmögliches wird von niemandem verlangt. Gott ist barmherzig. Nach der Zusage der Evangelien interessiert er sich in erster Linie für unsere persönliche Bekehrung. Die Sakramente dürfen uns das zusagen. Formalien sollen uns dabei helfen. Zur Not in extremis geht es aber auch ohne. Dank sei Gott!

(Kontakt für priesterliche Dienste / to contact for priestly services / contattare per servici presbiterali)

Der barmherzige Jesus im Sakrament und im Ursprungsbild nach der Vision der Schwester Faustina von Eugeniusz Kazimirowski, Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit, Vilnius. (c) Beim Photographen

—–

*Bei der Ehe gibt es die Möglichkeit eines Stellvertreters, weil sie durch den Konsens der Brautleute geschlossen wird. Der Konsens selbst wird aber vor Ort erfragt und abgegeben. Die Ehe kommt an einem Ort zustande. Die Kommunion kann durch jemand anderen als den Spender überbracht werden. Trotzdem feierte jemand, der nicht im Gottesdienst wäre, die Eucharistie nicht mit; er empfinge die Kommunion, ohne an der Heiligen Messe teilzunehmen. Beides ist für die hl. Beichte nicht vorstellbar; deren Voraussetzung ist das aktuelle Bekenntnis eines Reumütigen und die gegenwärtige Zusprechung der Versöhnung durch einen Priester:

„Danach bringt der Gläubige, der gebeichtet hat, seine Reue und seinen Vorsatz durch ein Gebet zum Ausdruck, in dem er Gott, den Vater, um Verzeihung bittet. Es sollte ein Gebet sein, das sich auf Texte der Heiligen Schrift stützt.

Nach diesem Gebet streckt der Priester seine Hände – oder wenigstens die Rechte – über das Haupt des Gläubigen aus und spricht die Absolution, deren wesentliche Worte lauten:

ICH SPRECHE DICH LOS VON DEINEN SUNDEN IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES.

Während der Priester diese Worte spricht, macht er das Kreuzzeichen über den Gläubigen. Die Absolutionsworte … weisen darauf hin, daß die Versöhnung von Gott, dem barmherzigen Vater, ausgeht; sie zeigen den Zusammenhang der Versöhnung des Sünders mit dem Tod und der Auferstehung Christi auf; sie heben das Wirken des Heiligen Geistes bei der Vergebung der Sünden hervor; sie rücken schließlich auch den kirchlichen Charakter des Sakramentes ins Licht, insofern die Versöhnung mit Gott durch den Dienst der Kirche erbeten und gewährt wird.“ (Die Feier der Buße, Nr. 19)

  • Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil. Vor allem: „Lumen Gentium“ Nr. 26: AAS 57 (1965) u. „Sacrosanctum Concilium“ Nr. 7: AAS 56 (1964)
  • Vgl. Die Feier der Buße nach dem neuen Rituale Romanum. Studienausgabe. Hgg. von den Liturgischen Instituten Salzburg, Trier und Zürich. Einsiedeln u. a. 1974.
  • Vgl. Die Feier der Krankensakramente. Hgg. im Auftrag der Bischofskonferenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, sowie der (Erz-)Bischöfe von Bozen-Brixen, Lüttich, Luxemburg und Straßburg. Freiburg u. a. 2. Aufl. 1999.
  • Codex Iuris Canonici (CIC) 1983 Cann. 959-991.1752.
  • Penitenzieria Apostolica: Lettera circolare riguardante la non ammissibilità dei moderni mezzi di comunicazione nei ricorsi riguardanti materie tutelate dal sigillo sacramentale. 23. Oktober 2002. Prot. N. 500/02. In: Enchiridion Vaticanum 21, S. 930)

—–

Dies ist die Fortsetzung der kleinen Serie zu verschieden Fragen, die mich erreichten. Bisher erschienen:

II. Was ist denn das: Don Abbondio und Papst Franziskus?

(Kontakt für priesterliche Dienste / to contact for priestly services / contattare per servici presbiterali)

Papst Franziskus lobte den Klerus der Lombardei: „In diesem Augenblick geht in Mailand die Messe zu Ende, die der Herr Erzbischof in der Poliklinik für die Kranken, die Ärzte, die Krankenpfleger und die Ehrenamtlichen feiert. Der Herr Erzbischof ist seinem Volk und auch Gott im Gebet nahe. Mir kommt das Foto von letzter Woche in den Sinn: er allein auf dem Dach des Domes im Gebet zur Muttergottes. Ich möchte auch allen Priestern, der Kreativität der Priester, danken. Aus der Lombardei erhalte ich viele Neuigkeiten über diese Kreativität. Es stimmt, die Lombardei wurde hart getroffen. Priester, die sich tausenderlei Wege ausdenken, um dem Volk nahe zu sein, damit das Volk sich nicht verlassen fühlt; Priester mit apostolischem Eifer, die gut verstanden haben, dass man in Zeiten der Pandemie kein »Don Abbondio« sein sollte.“ (Angelus, 15. März 2020)

‚Don Abbondio‘ (‚abundus‘ lateinisch: ‚übervoll‘, ‚üppig‘) heißt die Figur eines Priesters, der vor allem auf seinen persönlichen Besitzstand achtet. Er fürchtet sich vor den Menschen, um seine gesellschaftliche Stellung, um seine Wohlstand und allgemein jedes Risiko und alle Gefahren. Deswegen traut er sich in der Zeit einer Seuche nicht, zwei Verlobte zu trauen, obwohl er alleine das könnte. Gleichzeitig traut er sich auch nicht, dass offen auszusprechen und seine Angst zuzugeben. So sucht er alle möglichen Ausflüchte, um die Sakramentenspendung nicht durchführen zu müssen. Don Abbondino lebt literarisch in dem Romans I Promessi Sposi (italienisch: ‚Die Verlobten‘ oder ‚Die Brautleute‘) von Alessandro Mazoni (1785-1863). Alle italienischen Schulkinder müssen dieses Buch in der Schule lesen; sie tun es mehr oder weniger …

Sozusagen dagegen liess am letzten Freitag Papst Franziskus das Evangelium vom Sturm auf dem See (Lukas 4) verkünden: „»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Herr, du appellierst an uns, du appellierst an den Glauben. Nicht nur an den Glauben, dass es dich gibt, sondern an den Glauben, der uns vertrauensvoll zu dir kommen lässt. […] Es ist nicht die Zeit deines Urteils, sondern unseres Urteils: die Zeit zu entscheiden, was wirklich zählt und was vergänglich ist, die Zeit, das Notwendige von dem zu unterscheiden, was nicht notwendig ist. Es ist die Zeit, den Kurs des Lebens wieder neu auf dich, Herr, und auf die Mitmenschen auszurichten. Und dabei können wir auf das Beispiel so vieler Weggefährten schauen, die in Situationen der Angst mit der Hingabe ihres Lebens reagiert haben. Es ist das Wirken des Heiligen Geistes, das in mutige und großzügige Hingabe gegossen und geformt wird. Es ist das Leben aus dem Heiligen Geist, das in der Lage ist, zu befreien, wertzuschätzen und zu zeigen, wie unser Leben von gewöhnlichen Menschen – die gewöhnlich vergessen werden – gestaltet und erhalten wird, die weder in den Schlagzeilen der Zeitungen und Zeitschriften noch sonst im Rampenlicht der neuesten Show stehen, die aber heute zweifellos eine bedeutende Seite unserer Geschichte schreiben: Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Transporteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helfer, Priester, Ordensleute und viele, ja viele andere, die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet.“ (Predigt Papst Franziskus beim Gebet in der Pandemie, 27. März 2020, Hervorhebungen vom Bearbeiter)

Der Papst möchte – bei aller Klugheit und Vorsicht und im Rahmen der öffentlichen Ordnung – unsere Kreativität, unsere Hingabe und unseren Einsatz für die Mitmenschen und gegen die Angst der Epidemie-Zeit.

(Kontakt für priesterliche Dienste / to contact for priestly services / contattare per servici presbiterali)

Dies ist eine Fortsetzung der kleinen Serie zu den verschieden Fragen, die mich erreichen. Bisher ist erschienen:

Teil 1: Was ist denn das: ein Ablass heute?

Karl Kardinal Borromäus (Carlo Cardinale Borromeo) rügt Don Abbondio. – Francesco Gonin (1808-1889). Ausgabe 1840 von I Promessi Sposi. (c) public domain

5. Sonntag der Fastenzeit / Passionssontag – 29/03/2020

Lesejahr A. Eine improvisierte Studioaufnahme aus Hamburg mit einem Wort zum Evangelium des Sonntags (leider habe ich den Namen ‚Veronica‘ etwas undeutlich gesprochen … er klingt wie ‚Monica‘, gemeint ist aber der erstere):

St. Knud, Nordstrand, Nordfriesland, im Licht: „Lazarus, komm heraus!“ (Joh 11, 43) (c) Beim Fotographen

Pfingsten – 15/05/2016

Lesejahr C. Mitschnitt aus dem Hochamt in der Pfarrkirche Christus König zu Husum: 

©Axel Steinbach
© Axel Steinbach – Pfarrer Meik bei einer Hochzeit in List auf Sylt AD 2016.