Doktorarbeit

Da einige Nachgefragt haben, folgt hier der genaue Titel:

Geistliche Selbstbeschreibung und gesellschaftliche Pragmatik. Die Osnabrücker Bistumsleitung und ihr Umgang mit der römisch-katholischen Minderheit des geteilten Norddeutschlands der Nachkriegszeit.

Untersuchungsgegenstand:
Untersucht werden die schriftlichen Selbstzeugnisse der Osnabrücker Bistumsleitung darüber, wie die diözesanen Ordinarien die Leitung der römisch-katholischen Minderheit im geteilten Norddeutschland ausgeübt haben. Dafür werden zum einen die Ansprüche der Bistumsleitung an eine ideale Seelsorge extrahiert und zum anderen überprüft, in wie weit der Anspruch die Umsetzung prägte oder andere gesellschaftliche Konditionierungen dominant waren.

Untersuchungsregion:
Die norddeutsche Diaspora in Hamburg, Mecklenburg und Schleswig-Holstein gehört in der Umsetzung des Preußischen Konkordates (14. Juni1929) seit 1930 zum Bistum Osnabrück, ist aber räumlich vom Kernbistum Osnabrück (gegründet 780) getrennt. Sie wurde vorher bereits seit 1882 unter den Titel ‚Apostolisches Vikariat Norddeutschland‘ und ‚Präfektur Schleswig-Holstein‘ (insgesamt ‚Norddeutsche Missionen‘ genannt) in Personalunion vom Osnabrücker Bischof als Apostolischer Provikar und Apostolischer Administrator (1921 Vikar und Präfekt) geleitet. Am 7. Januar 1995 wird aus diesen Regionen des Erzbistum Hamburg wiedererrichtet werden. Die Katholiken dort sind eine Minderheit mit gemeinsamer Herkunft, zumeist aus den Flucht- oder Vertreibungsgebieten. Die Nachkriegsdiaspora unterscheidet sich nach ihrer Situiertheit in Ost- oder Westdeutschland, Stadtstaat oder Flächenland, obwohl sie vom Osnabrücker Klerus geleitet wird und sich die Grundstrukturen der Diasporaseelsorge schon seit der Reformation herausgebildet haben.

Untersuchungszeitraum:
1945 beginnt die Geschichte der Nachkriegsdiaspora mit der Ankunft der Flüchtlinge und Vertriebenen und den neuen Formen der Staatlichkeit.
1967 werden im Bistum Osnabrück die Auswirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) aktiv.

Quellen:
Die Berichte, die Korrespondenzen und die kirchenoffizielle Statistik der Osnabrücker Ordinarien sind eine Quelle, in der sich sowohl die Erwartungen der Ordinarien als auch deren Wahrnehmungen über die norddeutsche Diaspora spiegeln.

Ansatz:
Es soll untersucht werden, welchen Einfluss der Selbstanspruch der kirchlichen Leitung unter den jeweiligen örtlich-gesellschaftlichen Verhältnissen auf die Gestaltung des kirchlichen Lebens hat.

Arbeitsthese:
An den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland, Stadtstaat und Flächenland zeigt sich, wie sehr die örtlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse das kirchliche Leben prägen, wie spezifisch katholische Prioritäten die eigene Entwicklung nur am Rand beeinflussen und wie die hauptverantwortlichen kirchlichen Akteure (Ordinarien) das entsprechend der je eigenen Prägung zwar vereinzelt wahrnehmen und kritisieren, aber in der konkreten Dienstausübung durch dieselben gesellschaftlichen Entwicklungen konditioniert sind.

Kommentare sind geschlossen.