Dissertation Dr. phil.

Geistlicher Anspruch und gesellschaftliche Pragmatik in der Nachkriegszeit (1945 – 1966). Die Osnabrücker Bistumsleitung für die römisch-katholischen Minderheiten Hamburgs, Mecklenburgs und Schleswig-Holsteins. Diss WWU. Husum 2., unveränderte Neuauflage 2022 (2021). (= Nordalbingensia sacra 15) Erschienen im Matthiesen-Verlag.

Die Informationen zur Vorstellung der ersten Auflage finden sich hier.

Aus der Einleitung:

„Es ist die Absicht der hier vorgelegten Untersuchung, ausgehend von den beiden über lange Zeit prägenden Osnabrücker Bischofspersönlichkeiten Wilhelm Berning (1877-1955, Bischof 1914, Erzbischof ad personam 1950) und seinem Nachfolger Helmut Hermann Wittler (1913-1987, Bischof 1957-1987) im Hinblick auf die Osnabrücker Nachkriegsdiaspora im geteilten Norddeutschland exemplarisch herauszuarbeiten, wie der Selbstanspruch der diözesanen Leitung sich unter den gesellschaftlichen Bedingungen in Dienst und Seelsorge auswirkte und veränderte. Dafür werden ausgehend von den quinquennalen Statusberichten zusätzlich die relevanten Korrespondenzen der Ordinarien und die einschlägigen Statistiken berücksichtigt. Dadurch sollen die lapidaren Aussagen der quinquennalen Statusberichte kontextuell abgeglichen werden. Berücksichtigt werden außerdem die Zeiten der Se- disvakanz und das extrem kurze Pontifikat Bischof Franziskus Demanns (geboren 1900, getauft Gerhardus Franciskus, bis zur Bischofswahl ‚Franz‘ genannt, Besitzergreifung u. Bischof de jure 25. März 1957, geweiht und gestorben 27. März 1957) im Übergang von Wilhelm Berning auf Helmut Herrmann Wittler.

Als Ausgangspunkt für die Untersuchung dient die Selbstbeschreibung der Osnabrücker Ordinarien über sich und die mit ihnen verbundenen römisch-katholischen Minderheiten des geteilten Norddeutschlands. Der zeitliche Rahmen von 1945 bis 1966 ist durch zwei deutliche Einschnitte markiert. Er hebt an mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) und schließt unmittelbar vor dem Beginn der strukturellen Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) im Bistum Osnabrück. Der Tod Erzbischof Bernings am 23. November 1955 war der entscheidende Umbruch in der Mitte des Untersuchungszeitraums.

Eine römisch-katholische Minderheit eignet sich in bevorzugter Weise, um aus der Selbstbeschreibung der diözesanen Leitung deren idealen Selbstanspruch und dessen pragmatische Umsetzung zu erheben. In der Diaspora fiel der Kontrast zwischen den kirchlichen Idealen und der Lebenswirklichkeit der Gläubigen deutlicher aus als im katholischen Kernland (z. B. Emsland) oder in gefestigten konfessionellen Mischgebieten wie der Bistumsstadt Osnabrück. Die Betrachtung der Minderheitensituation bietet die Möglichkeit, über die Milieuforschung der letzten Jahrzehnte hinauszugehen und den kritischen Blick auf eine grundlegend andere katholische Sozialform zu richten.“